Das Schulungsprogramm: ein Gründungsdokument
Das Schulungsprogramm ist weit mehr als eine einfache Inhaltsbeschreibung. Es ist ein vertragliches Dokument, das den Bildungsanbieter gegenüber dem Lernenden, dem Kundenunternehmen und den Förderern verpflichtet. Im Rahmen von Qualiopi steht es im Mittelpunkt mehrerer Indikatoren des Référentiel National Qualité und wird bei Audits besonders genau geprüft.
Ein gut strukturiertes Programm ist zugleich ein wirkungsvolles Vertriebsinstrument: Es beruhigt den Interessenten, erleichtert die Bewilligung von OPCO- oder CPF-Finanzierungen und bildet die Grundlage einer wirksamen Schulung. Dieser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie ein Programm verfassen, das zugleich konform, überzeugend und pädagogisch fundiert ist.
Die Pflichtbestandteile eines Schulungsprogramms
Das Code du Travail (Arbeitsgesetzbuch) und das Référentiel National Qualité schreiben bestimmte Elemente in jedem Programm beruflicher Weiterbildung vor. Hier die vollständige Liste mit Erläuterungen.
1. Der Titel der Schulung
Der Titel muss klar, beschreibend und professionell sein. Vermeiden Sie vage Marketingtitel. Ein guter Titel lässt den Lernenden sofort verstehen, worum es in der Schulung geht.
- Schlecht: "Werden Sie ein Web-Profi!"
- Gut: "Google Ads meistern: Erstellung und Optimierung von Werbekampagnen"
- Besser: "Google Ads — Search- und Display-Kampagnen erstellen, steuern und optimieren (Mittelstufe)"
2. Die pädagogischen Ziele
Die pädagogischen Ziele sind vermutlich das Element, das bei einem Qualiopi-Audit am genauesten geprüft wird (Indikator 5). Sie müssen sein:
- Messbar: man kann überprüfen, ob sie erreicht wurden
- Beobachtbar: man kann das Ergebnis feststellen
- In Handlungsverben formuliert: kein "verstehen", "kennen" oder "erfassen"
Die Bloom-Taxonomie: Ihr bestes Werkzeug
Die Bloom-Taxonomie ordnet Lernziele in sechs Stufen aufsteigender Komplexität. Für jede Stufe werden bestimmte Handlungsverben empfohlen:
| Stufe | Beschreibung | Empfohlene Handlungsverben |
|---|---|---|
| 1. Erinnern | Wissen wiedergeben | Identifizieren, auflisten, benennen, definieren, wiedergeben |
| 2. Verstehen | Konzepte erklären | Erklären, beschreiben, zusammenfassen, interpretieren, umformulieren |
| 3. Anwenden | In konkretem Kontext nutzen | Anwenden, nutzen, umsetzen, berechnen, ausführen |
| 4. Analysieren | Zerlegen und untersuchen | Analysieren, vergleichen, unterscheiden, kategorisieren, prüfen |
| 5. Bewerten | Beurteilen und begründen | Bewerten, beurteilen, kritisieren, begründen, argumentieren |
| 6. Erschaffen | Neues produzieren | Konzipieren, erstellen, ausarbeiten, planen, konstruieren |
Konkrete Beispiele:
- Stufe 1: "Die Bestandteile einer Google-Ads-Kampagne identifizieren"
- Stufe 3: "Eine Search-Kampagne mit 3 Anzeigengruppen und Keyword-Targeting erstellen"
- Stufe 5: "Die Performance einer Kampagne bewerten und Budgetoptimierungen vorschlagen"
- Stufe 6: "Eine Multikanal-Werbestrategie mit Search, Display und Remarketing konzipieren"
Tipp: Streben Sie 4 bis 8 Ziele pro Schulung an. Zu wenige lassen das Programm dünn erscheinen. Zu viele werden im vorgegebenen Zeitrahmen unerreichbar.
3. Die Voraussetzungen
Die Voraussetzungen präzisieren, was der Lernende wissen oder besitzen muss, bevor er mit der Schulung beginnt. Sie dienen dazu:
- Sicherzustellen, dass der Lernende dem Programm folgen kann (Indikator 8)
- Eine eventuelle Ablehnung der Anmeldung zu begründen
- Den Lernpfad bei Bedarf anzupassen
Beispiele:
- "Beherrschung der Grundlagen des digitalen Marketings (oder absolvierte Stufe-1-Schulung)"
- "Mindestens 2 Jahre Erfahrung im Projektmanagement"
- "Laptop mit aktuellem Chrome- oder Firefox-Browser"
- "Keine Voraussetzungen — Schulung für absolute Anfänger geeignet"
Selbst wenn keine Voraussetzungen bestehen, erwähnen Sie dies ausdrücklich. Der Auditor möchte sehen, dass Sie darüber nachgedacht haben.
4. Die Zielgruppe
Beschreiben Sie genau, an wen sich die Schulung richtet:
- Beruf oder Funktion: "Marketingverantwortliche, Digital-Projektleiter, Community Manager"
- Niveau: "Anfänger, Mittelstufe oder Fortgeschrittene"
- Kontext: "Angestellte, Arbeitssuchende, Selbstständige"
5. Dauer und Modalitäten
- Gesamtdauer: in Stunden (nicht in Tagen). Beispiel: "14 Stunden (2 Tage)" oder "21 Stunden verteilt auf 3 Wochen"
- Modalitäten: Präsenz, synchroner Fernunterricht (Videokonferenz), asynchroner Fernunterricht (E-Learning), Blended (gemischt)
- Rhythmus: kontinuierlich, diskontinuierlich, Teilzeit
- Ort: physische Adresse oder Online-Plattform
Für asynchrones E-Learning geben Sie die geschätzte Lernpfaddauer und den Zugangszeitraum an (Beispiel: "10 Stunden Inhalt, Zugang 30 Tage geöffnet").
6. Der detaillierte Inhalt (pädagogischer Ablauf)
Das Herzstück des Programms. Es muss den Inhalt jeder Sequenz detaillieren, idealerweise mit zeitlicher Gliederung. Der Qualiopi-Auditor erwartet einen ausreichend präzisen Ablauf, um die pädagogische Progression nachvollziehen zu können.
Beispiel eines Ablaufs für eine 14-Stunden-Schulung (2 Tage):
Tag 1 — Die Grundlagen (7 Std.)
| Uhrzeit | Sequenz | Inhalt | Methode |
|---|---|---|---|
| 9:00-9:30 | Begrüßung und Einführung | Vorstellung, Ziele, Vorstellungsrunde | Vortrag |
| 9:30-10:30 | Modul 1: Das Google-Ads-Ökosystem verstehen | Kontoarchitektur, Kampagnentypen, Schlüsselbegriffe | Vortrag + Demonstration |
| 10:30-10:45 | Pause | ||
| 10:45-12:00 | Modul 2: Keyword-Recherche | Planungstools, Übereinstimmungstypen, Targeting-Strategie | Aktiv (Praxis-Workshop) |
| 12:00-13:00 | Mittagspause | ||
| 13:00-14:30 | Modul 3: Search-Kampagne erstellen | Struktur, Einstellungen, Budget, Gebote | Demonstration + Aktiv |
| 14:30-14:45 | Pause | ||
| 14:45-16:00 | Praxis-Workshop | Erstellung einer vollständigen Kampagne auf einem Testkonto | Aktiv |
| 16:00-16:30 | Zwischenquiz und Nachbesprechung | Formative Evaluation, gemeinsame Korrektur | Aktiv |
7. Die pädagogischen Methoden
Beschreiben Sie die eingesetzten Ansätze. Die vier großen pädagogischen Methoden sind:
- Vortragsmethode (frontal): Der Trainer vermittelt Wissen (Vorlesungen, Präsentationen). Geeignet für theoretische Inhalte, aber dosiert — ein 7-stündiger Frontalvortrag ist keine berufliche Weiterbildung.
- Demonstrative Methode: Der Trainer zeigt, wie es geht, dann reproduziert der Lernende (Tutorials, Demonstrationen). Ideal für technische Kompetenzen.
- Aktive Methode (Entdeckung): Der Lernende ist Akteur seines Lernens (Workshops, Fallstudien, Simulationen, Rollenspiele). Am wirksamsten für die Verankerung von Kompetenzen.
- Fragende Methode: Der Trainer leitet das Lernen durch Fragen (Mäeutik, Quiz, Debatten). Fördert Reflexion und Beteiligung.
Qualiopi-Tipp: Zeigen Sie, dass Sie die Methoden variieren. Eine Schulung, die nur Vortrag verwendet, wird vom Auditor hinterfragt. Umgekehrt kann eine 100% aktive Schulung ohne theoretischen Rahmen an Struktur mangeln.
8. Pädagogische und technische Mittel
Listen Sie die den Lernenden zur Verfügung gestellten Ressourcen auf:
- Unterlagen: Präsentationen, Zusammenfassungen, Praxisblätter, Videos
- Tools: Software, Zugang zu einer E-Learning-Plattform, Demonstrationskonten
- Ausstattung: Computer, Beamer, Flipchart, Post-its
- Ergänzende Ressourcen: Literaturverzeichnis, Weblinks, Online-Community
9. Die Evaluationsmodalitäten
Evaluationen sind ein Eckpfeiler von Qualiopi (Indikatoren 8, 11 und 32). Ihr Programm muss angeben:
Evaluationstypen
| Typ | Zeitpunkt | Ziel | Beispiele |
|---|---|---|---|
| Diagnostisch (Einstufung) | Vor der Schulung | Ausgangsniveau bewerten | Eingangs-QCM, Gespräch |
| Formativ | Während der Schulung | Fortschritt überprüfen | Zwischenquiz, Übungen |
| Summativ | Am Ende der Schulung | Zielerreichung messen | Abschlussprüfung, Fallstudie, Simulation |
| Zufriedenheit (unmittelbar) | Direkt danach | Eindrücke erfassen | Zufriedenheitsfragebogen |
| Transfer (zeitversetzt) | 30-90 Tage danach | Reale Wirkung messen | Follow-up-Fragebogen, Gespräch |
Tipp: Beschränken Sie sich nicht auf ein QCM am Ende der Schulung. Integrieren Sie formative Evaluationen über den gesamten Lernpfad. Sie stärken das Lernen UND liefern Nachweise für das Audit.
10. Zugangsmodalitäten und -fristen
- Anmeldefrist: "Anmeldung bis 15 Tage vor Beginn möglich"
- Anmeldeprozess: "Über das Online-Formular, per E-Mail oder telefonisch"
- Zugangsfrist: "Schulung zugänglich innerhalb von 30 Tagen nach Finanzierungsbestätigung"
- Teilnehmerzahl: "4 bis 12 Teilnehmer" (für Präsenzschulungen)
11. Barrierefreiheit für Menschen mit Behinderung
Seit der Qualiopi-Reform verpflichtend (Indikator 18). Sie müssen angeben:
- Name und Kontaktdaten Ihres Behindertenbeauftragten
- Mögliche Anpassungen (angepasste Materialien, flexibler Rhythmus, barrierefreier Zugang)
- Mobilisierbare Partner (Agefiph, Cap Emploi)
Musterformulierung: "Diese Schulung ist für Menschen mit Behinderung zugänglich. Unser Behindertenbeauftragter, [Name], steht Ihnen zur Verfügung, um Ihre Bedürfnisse zu evaluieren und die notwendigen Anpassungen einzurichten. Kontakt: [E-Mail/Telefon]."
12. Preise und Finanzierungsmodalitäten
- Preis inkl. MwSt. (oder netto bei MwSt.-Befreiung — Artikel 261.4.4 des CGI)
- Enthalten: Unterlagen, Plattformzugang, Zertifizierung
- Nicht enthalten: Unterkunft, Verpflegung, Anreise
- Mögliche Finanzierungen: OPCO, CPF, France Travail, Kompetenzentwicklungsplan
Programm für E-Learning strukturieren
Programme für Fernschulungen haben Besonderheiten, die der Qualiopi-Auditor genau kennt. Hier die Aufmerksamkeitspunkte.
Geschätzte Dauer vs. Zugangsdauer
Beim asynchronen E-Learning ist die Lernpfaddauer nicht die Zugangsdauer. Geben Sie beides an:
- "Geschätzte Lernpfaddauer: 10 Stunden"
- "Zugangszeitraum: 30 Tage ab Anmeldung"
Pädagogische Begleitung
Der Lernende darf nicht allein vor dem Bildschirm gelassen werden. Präzisieren Sie Ihre Begleitmaßnahmen:
- E-Mail- oder Chat-Sprechstunde mit dem Trainer
- Frage-Antwort-Sitzungen per Videokonferenz (Häufigkeit, Dauer)
- Diskussionsforum für Lernende
- Individuelles Tutoring, falls vorgesehen
Fortschrittsverfolgung
Beschreiben Sie, wie Sie die Anwesenheit und den Fortschritt im Fernunterricht verfolgen:
- Abschlussverfolgung pro Modul
- Verbindungsprotokolle
- Ergebnisse der Zwischenquiz
- Automatische digitale Anwesenheitsnachweise
OpenFormations generiert automatisch Qualiopi-konforme Schulungsprogramme aus Ihren pädagogischen Zielen. Der KI-Assistent schlägt einen strukturierten Ablauf vor, Ziele nach der Bloom-Taxonomie formuliert und angepasste Evaluationen — die Sie anschließend personalisieren können.
Die häufigsten Fehler in Schulungsprogrammen
Fehler 1: Vage oder nicht messbare Ziele
"Die Grundlagen des Managements verstehen" ist kein pädagogisches Ziel. Es ist eine Absichtserklärung. Ein Ziel muss überprüfbar sein: "Nach Abschluss der Schulung ist der Teilnehmer in der Lage, ein Feedbackgespräch nach der DESC-Methode zu führen."
Fehler 2: Ein kopiertes Programm ohne Anpassung
Der Qualiopi-Auditor überprüft, ob das Programm kohärent mit der Zielgruppe und den angekündigten Zielen ist. Ein generisches Programm, das für alle Ihre Schulungen verwendet wird, wird erkannt. Jede Schulung muss ihr eigenes Programm haben, angepasst an ihre Zielgruppe und ihre Ziele.
Fehler 3: Fehlendes zeitliches Sequenzierungskonzept
Ein Programm, das Module ohne Zeitangabe auflistet, ist unzureichend. Der Auditor möchte eine kohärente Sequenzierung sehen: wie viel Zeit pro Modul, in welcher Reihenfolge, mit welchen Pausen- und Evaluationszeiten.
Fehler 4: Barrierefreiheitshinweis vergessen
Selbst wenn die Erwähnung kurz ist, muss sie im Programm erscheinen. Das völlige Fehlen eines Barrierefreiheitshinweises ist bei Audits eine fast systematische Abweichung.
Fehler 5: Inkonsistenz zwischen Programm und Realität
Wenn Ihr Programm 14 Stunden und 6 Module ankündigt, aber Ihre Anwesenheitsnachweise 10 Stunden und 4 Module zeigen, haben Sie ein Kohärenzproblem, das vom Auditor festgestellt wird. Das angekündigte Programm muss dem tatsächlich Durchgeführten entsprechen.
Muster eines vollständigen Schulungsprogramms
Hier ein Muster, das Sie an Ihre Schulungen anpassen können:
[TITEL DER SCHULUNG]
Pädagogische Ziele Nach Abschluss dieser Schulung ist der Teilnehmer in der Lage:
- [Handlungsverb] + [Kompetenz] + [Kontext/Kriterium]
- [Handlungsverb] + [Kompetenz] + [Kontext/Kriterium]
- [Handlungsverb] + [Kompetenz] + [Kontext/Kriterium]
- [Handlungsverb] + [Kompetenz] + [Kontext/Kriterium]
Zielgruppe: [Beschreibung der Zielgruppe]
Voraussetzungen: [Liste der Voraussetzungen oder "Keine Voraussetzungen"]
Dauer: [X] Stunden verteilt auf [X] Tage/Wochen
Modalitäten: [Präsenz / Synchroner Fernunterricht / E-Learning / Gemischt]
Teilnehmerzahl: [X] bis [X] Teilnehmer
Detailliertes Programm: [Ablauf mit zeitlicher Sequenzierung — siehe obiges Beispiel]
Pädagogische Methoden: [Vortrag, Demonstration, Aktiv, Fragend — mit ungefähren Anteilen]
Pädagogische und technische Mittel: [Liste der Unterlagen und Tools]
Evaluationsmodalitäten:
- Einstufung: [Art der diagnostischen Evaluation]
- Während der Schulung: [formative Evaluationen]
- Ende der Schulung: [summative Evaluation]
- Zufriedenheit: [Fragebogen unmittelbar]
Zugangsmodalitäten und -fristen: [Anmeldeprozess, Frist]
Preis: [Betrag] EUR [netto/brutto] pro Teilnehmer
Finanzierung: [OPCO, CPF, France Travail, Unternehmen, privat]
Barrierefreiheit: [Erwähnung des Beauftragten + Kontakt]
Ergebnisindikatoren: [Zufriedenheitsrate, Erfolgsquote, oder "Erste Durchführung — Indikatoren noch nicht verfügbar"]
Programme im Laufe der Zeit weiterentwickeln
Ein Schulungsprogramm ist nicht in Stein gemeißelt. Qualiopi erwartet einen kontinuierlichen Verbesserungsansatz (Indikatoren 31 und 32). Konkret bedeutet das:
- Nach jeder Sitzung: Analysieren Sie die unmittelbaren Evaluationsergebnisse. Wenn ein Modul systematisch schlecht bewertet wird, überarbeiten Sie es.
- Jedes Quartal: Überprüfen Sie, ob die Inhalte noch aktuell sind (regulatorische Änderungen, neue Softwareversionen, neue Praktiken).
- Jedes Jahr: Ziehen Sie eine Gesamtbilanz. Welche Programme funktionieren? Welche müssen grundlegend überarbeitet werden? Welche sollten eingestellt werden?
Dokumentieren Sie jede Änderung mit Datum, Grund und erwarteter Auswirkung. Der Auditor wird es schätzen, eine Versionshistorie zu sehen, die zeigt, dass Ihre Programme lebendig sind.
Fragen? Kontaktieren Sie uns unter ${CONTACT_EMAIL}.